Star Trek Beyond

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NegCon
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Star Trek Beyond

Beitrag von NegCon »

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Obwohl ich dem Pseudo-Reboot eher kritisch gegenüberstehe, kam ich als alter Star-Trek-Fan nicht drumherum, mir auch den neusten Film im Kino zu Gemüte zu führen. Eines vorweg, ich versuche meine Meinung zu Star Trek Beyond so spoilerfrei wie mögich zu halten. :)

Star Trek (2009) fand ich damals unterm Strich für den Start einer neuer Reihe ok, auch wenn Eric Bana in der Rolle als Nero absolut verschwendet war. Mit so einem Schauspieler hätte man viel mehr aus dem Charakter herausholen können, stattdessen hat man lieber Szenen mit ihm sogar aus dem fertigen Film entfernt. Aber wie gesagt, als Einstieg in eine neue Filmreihe war's in Ordnung. Star Trek Into Darkness war für mich hingegen eine einzige Enttäuschung. Dafür hat man das ST-Universum pseudorebootet? Für eine aufgewärmte Khan-Story? Selbst der Zweiteiler der 4. Staffel Star Trek: Enterprise hat mehr zum Thema Augments beigetragen als diese lauwarme Kopie. Außerdem gab's im zweiten Film noch diese peinliche Imitation des Endes von Star Trek II: Der Zorn des Khan mit vertauschten Rollen. Ich saß damals im Kino und war mir im ersten Moment nicht sicher ob das jetzt lustig gemeint war oder wirklich deren Ernst... tja offenbar Letzteres, auch wenn ich es unfreiwillig komisch fand.

Umso erstaunter war ich heute, dass mir Star Trek Beyond wirklich gefallen hat und für mich auch ganz klar der beste der drei neuen Star-Trek-Filme ist. Klar, es gibt wieder viel Action und Krawall-CGI-Sequenzen, die zuweilen aber leider etwas zu hecktisch geschnitten sind und bei denen man zumindest in 3D nicht wirklich vernünftig folgen kann. ABER was den Film wirklich auszeichnet, ist, dass man es endlich geschafft hat, eine komplett neue Story zu erzählen, die dieses Mal nicht auf der Erde oder im erdnahen Weltraum spielt, sondern wirklich in den Tiefen des Alls. Zeitlich ist der Streifen im 4. Jahr der 5-Jahres-Mission angesiedelt, die Enterprise ist also schon über 3 Jahre unterwegs, was wohl den Zeitraum entspricht, den TOS damals in der alten Zeitlinie abgedeckt hat. Das passt auch in etwa zum Alter von Kirk bzw. dessen aktuellen Schauspieler, der genauso wie Shatner damals ca. Mitte 30 ist bzw. somit macht auch der Titel des Films Sinn, da er quasi (alternative) Geschehnisse zeigt, die sich NACH TOS bzw. "Star Trek" (Original-Serie) ereignen. :)

Dieses Mal gibt es sogar ein paar Anspielungen für die alten Star-Trek-Fans, zumindest diejenigen die Star Trek: Enterprise kennen. Die einzige der alten Serien, die sowohl für die neue, als auch für die alte Zeitlinie gilt. Ohne näher auf Details einzugehen (ST-unkundige oder diejenigen die ST:ENT nicht kennen, werden diese Anspielungen ohnehin nicht auffallen), sind diese Anspielungen sowohl optischer als auch (kleinen) dialogbezogener Natur. Die Richtung die mit Star Trek Beyond diesbezüglich eingeschlagen wird, gefällt mir äußerst gut. Mir persönlich hat ST:ENT damals ja gefallen, aber es gab bei Kritikern immer zwei große Dinge, die bemängelt wurden. ST:ENT spielt ja ca. 80 bis 100 Jahre vor TOS, wirkte aber deutlich moderner und in TOS oder den späteren ST-Serien wurden nie Ereignisse erwähnt, die sich in der Prequel-Serie ereigneten, klar, ging ja produktionstechnisch nicht anders. Bei Star Trek Beyond werden diese beiden Kritikpunkte aber mehr oder weniger eliminiert. Für alle die genaueres wissen wollen, packe ich das Ganze mal in einen Spoiler:
Spoiler
Die im Film vorkommende U.S.S. Franklin wird als erstes Warp-4-fähiges Schiff bezeichnet, das irgendwann in den späten 2160er Jahren verschollen sein soll. Auch die NX-Kennung des Schiffs deutet darauf hin, dass es sich bei der Franklin um einen Prototypen handelt. Leider hat sich hier offenbar ein kleiner Fehler eingeschlichen. Die aus der Serie Star Trek: Enterprise bekannte NX-01 ist das erste Warp-5-fähige Sternenflottenschiff, dass aber bereits 2151 auf seine erste Mission geschickt worden ist. Es würde also mehr Sinn machen, wenn die U.S.S. Franklin spätestens Ende der 2140er verschollen gegangen wäre (vielleicht war das aber auch nur ein Übersetzungsfehler in der dt. Synchro, wer weiß). Der Rest stimmt aber dann wieder. Vom Design her, innen sowie außen, sieht es wie eine kleinere und "primitivere" Version der NX-01 aus. Auch die im Film genannte Bewaffnung entspricht dem, was die Enterprise anfänglich in ST:ENT vorzuweisen hatte. Scotty sagt im Film, dass die Transporter zur Zeit der U.S.S. Franklin nur hauptsächlich für Ausrüstung und Ähnliches verwendet wurde. Auch das stimmt mit ST:ENT überein, in der Serie wurden ebenfalls erst im späteren Verlauf Lebewesen gebeamt, was nicht immer einwandfrei funktionierte.

Des Weiteren sieht man in einem Video die Crew der U.S.S. Franklin kurz nach dem Absturz auf den Planeten. Sie tragen alle exakt die selbe Uniform, wie sie in ST:ENT getragen wird und auch die Shuttle entsprechen 1:1 denen aus der Prequel-Serie. Gegen Ende des Films wird neben dem Krieg mit den Romulanern, der zwischen ST:ENT und TOS stattfand, auch der Kampf gegen die Xindi erwähnt, der sich in Staffel 3 von ST:ENT zugetragen hat. Ebenso werden die MACOs erwähnt, eine spezielle Militäreinheit, die in der 3. Staffel ST:ENT eingeführt werden und als gesonderte Einheit zum Schutz für Außenteams eingesetzt werden.
Solche Sachen zeigen zumindest, dass man wirklich noch an die älteren Fans denkt. Außerdem macht der Pseudo-Reboot zumindest auch dahin Sinn, dass man den technischen Fortschritt der Sternenflotte konsistent neu präsentiert. Was mir allerdings auch wieder aufgefallen ist, im neuen Film sieht man Einrichtungen die selbst in TNG viel zu fortschrittlich gewirkt hätten. So muss man sagen, dass die Kelvin-Zeitlinie DEUTLICH fortschrittlicher wirkt als die Alte. Aber die TNG-Ära ist beim Pseudo-Reboot sowieso (noch) kein Thema.

Abgesehen davon, ist Star Trek Beyond natürlich auch wieder Science-Fiction-CGI-Krawall-Kino, dennoch fand ich die Story insgesamt recht interessant und deutlich ansprechender als bei den zwei Vorgängerfilmen. Simon Pegg als ST-Fan und Mit-Autor des Drehbuchs war demnach keine schlechte Wahl und auch Justin Lin als Regisseur hat keinen schlechten Job gemacht (außer bei einigen Kampfszenen die für das 3D einfach zu hecktisch waren), diesmal ganz ohne Lens-Flare-Effekte.

Unterm Strich kann ich also sagen, dass mich Star Trek Beyond deutlich versöhnlicher gestimmt hat, was die neue Zeitlinie angeht. Gerade aus der Sichtweise aus betrachtet, dass hier ST:ENT nicht das Prequel sondern die drei neuen Filme Sequels sind, da die Serie vorher da war. Kann sein, dass ich unter dem Gesichtspunkt auch Star Trek into Darkness etwas besser finden würde. Die sinnlosen Action-Einlagen, die man sich bei Star Trek Beyond zum Glück gesparrt hat, sind bei den ersten beiden Pseudo-Reboot-Filmen aber dennoch enthalten und die mag ich nicht besonders. ;) Auf jeden Fall freue ich mich jetzt umso mehr auf die neue Serie und mir ist es jetzt eigentlich sogar egal, ob sie in der alten oder neuen Zeitlinie angesiedelt ist.
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